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Der Kombi-Hohn

Sonntag, 12. Juni 2011 - 23:22

Der Kombi-Hohn

Übungsarbeit zur Thematik des Kombi-Lohn-Modells

Abendgymnasium der Stadt Münster
S3 - VWL GK -  Juni 2011
Rainer Wermelt

Textgrundlage:

Einleitung

Der vorliegende Artikel von Frau Elisabeth Niejahr erschien am 05. Januar 2006 in der Wochenzeitung "Die Zeit" unter dem Titel "Der Kombi-Hohn" und ist im Internet unter der Adresse: http://www.zeit.de/2006/02/01__leit_2_02_06 abrufbar. Die Autorin beschreibt darin die bisher wenig erfolgreichen Wirkungen des Kombi-Lohn-Modells, übt Kritik und zeigt mögliche Veränderungen / Verbesserungen auf.

Erläuterungen der Aussagen, Kritik und Vorschläge der Autorin zum Kombilohn

Schon zu Beginn ihres Artikels stellt die Autorin fest das die Harz-Reformen, zu der auch das Konzept des Kombilohns zählt, weniger auf dem Arbeitsmarkt gewirkt haben als in den Köpfen der Bevölkerung (Vgl. Z. 1f). Nach einer Analyse bringt Frau Niejahr dies in zwei ganz zentrale Aussagen auf den Punkt: "Kombilöhne sind entweder unbezahlbar oder wirkungslos." (Z41). Diese Aussagen belegt sie mit zahlreichen Argumenten, die im folgenden näher analysiert werden.

These 1: Kombilöhne sind unbezahlbar!

Damit Kombilöhne effektive Wirkung zeigen könnten müssten diese laut Frau Niejahr "üppig und von Dauer" (Z.28,29) sein. Dies ist sehr problematisch. Zum einen werden Kombilöhne hauptsächlich in Branchen oder Arbeitsbereichen zum tragen kommen für die aufgrund ihrer vielfachen unattraktivität kaum ein üppiger Lohn gezahlt werden wird. Umso größer wird der Anteil des aus öffentlichen Kassen gezahlter Zuschuss zum Lohn sein. Die Autorin führt hier einen Anteil von "20 oder 30 Prozent der Löhne" (Z31) an. Dieses belastet die öffentlichen Kassen alleine schon sehr. Umso dramatische würde es wenn dieser Zuschuss zu einer Dauersubventition werden würde. Die Auswirkungen und dadurch auch die Belastungen für den Steuerzahler würden kaum absehbar werden.
Ein weiterer Kritikpunkt sieht die Autorin in dem Kreise all derer die in den "Genuss" dieser staatlichen Lohnaufstockungen kämen. Hier wären nicht nur alle diejehnigen zu nennen für die der Gesetzbeber diese Zuwendungen vorsieht. Vielmehr würden auch "alle Geringverdiener, die schon eine Stelle haben" (Z36) einbezogen werden müssen. Als betroffenen Personenkreis führt Frau Niejahr hier in erster Linie "Kellner[-] oder Teilzeit-Verkäuferinnen" (Z37) an. Sicherlich wären aber auch zahlreiche Friseurinnen oder auch anderer Hilfskräfte betroffen. Das Problem liegt hier im Grundsatz der Gleichbehandlung. Es macht wenig Sinn den Kombilohn nur für bestimmte Branchen oder Bereiche einzuführen. Als einziges Kriterium müsste hier eine Lohngrenze gelten ab wann Lohn aufgestockt werden müsste. Dieses Kriterium schließt aber auch eben alle Berufsgruppen ein die eben diese Grenze unterschreiten. Auch die schiere Anzahl der in Frage kommenden Personen dürfte die ohnehin gebeutelten Staatskasse weit über Gebühr belasten.
Die Autorin verdeutlicht das an dem Beispiel eines vom Deutschen Gewerkschaftsbund vorgestellten Modells das etwa 30 Mrd. Euro kosten würde und somit die Staatskasse überfordern würde.

These 2: Kombilöhne sind wirkungslos!

Diese These von Frau Niejahr lässt sich leicht belegen. Die Autorin führt hierfür ein eindruckvolles Argument vor Augen: Sie stellt fest das Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik immer noch, und in erster Linie ein Bildungsproblem sei. Sie stellt dabei den mit 39% hohen Anteil der Arbeitslosen ohne Berufsausbildung den mit 6% niedrigen Anteil der Arbeitslosen mit Hochschulabschluss gegenüber (Vgl. Z12ff). Teilweise, sei der Anteil der "Bildungverlierer" (Z13) sogar noch höher.
Dies lässt den Schluß zu das eine Lohnaufstockung lediglich das "Herumdoktoren an Symptomen" ist und das Problem nicht wirklich an den Wurzeln packe. In der Tat muss hier dier Frage nach Richtigkeit der getroffenen Maßnahmen erlaubt sein. Das Kombilohnmodell ist sicher ungeeignet um langfristig Erfolge zu versprechen. Dieses Geld in Bildungsprogramme zu investieren verspricht langfristig offensichtlich mehr Erfolg.

Die Frage stellt sich nun was zu tun ist um diesen Mißstand zu beheben. Hier geht die Autorin zunächst auf die von politischer Seite angedachten Lösungen ein und stellt diesen dann eigene Überlegungen gegenüber

Kritikpunkt 1: Noch ein Programm

Beide Volksparteien (die es 2006 noch gab) wollen laut der Autorin einen Zustand verhindern in dem die Arbeitslosenzahlen verringert würden indem das "mehr Arme in Arbeit" (Z44)  seien. Aus parteipolitischen Erwägungen würden die Parteien hier wohl weitere, zusätzliche Programme "erfinden" (Z45). Dieses bedeutete aber noch mehr Bürokratie und Verwaltung und somit auch mehr Kosten. Ob diese Kosten im Verhältnis zu dem erwarteten Effekten stehen ist anzuzweifeln. Aus zeigt Frau Niejahr hier Probleme der Arbeitsagentur auf  mit immer neuen Gesetzen konfrontiert zu werden die personell von den Agenturen kaum umzusetzen seien (Vgl. Z 45-50).

Frau Niejahr stellt abschließend drei Hauptforderungen auf die ein Lösungsansatz für die Problematik darstellen könnte. Sie schlägt zum einen mehr Bildung und zum anderen weniger Steuern und Gesetze vor. Diese Lösungsansätze werden nachfolgend im einzelnen erläutert.

Lösungsansatz 1: Mehr Bildung

Wie oben beschrieben stellt für die Autorin mangelne Bildung und hier insbesondere fehlende Berufsausbildung quasi das elementare Kernprobelm der Arbeitslosigkeit dar. Will man diese Problem an der Wurzel packen muss unmittelbar dort angesetzt werden und nicht bei den Symptomen.
Hierzu führt die Autorin interessante Denkansätze an. Kürzere oder einfachere Berufsausbildung könnte durchaus ein probates Mittel sein, auch wenn die unter Umständen eine Abkehr vom dualen System bedeuten würde. Hier wäre zu prüfen ob die Wirtschaft ein feinstufigeres Ausbildungssystem anerkennen würde. Ein großer Vorteil wäre für Geringqualifizierte sicherlich das sie die Ausbildungsleiter langsamer "hinaufklettern" könnten, mit jeder Stufe aber schon einen wie auch immer gearteten Abschluss hätten. Die Verdienstmöglichkeiten würden sich somit sukzessive erhöhen und denjehnigen durch die auch finanziell unmittelbaren Auswirkungen, auf seinem Weg bestärken.

Lösungsansatz 2: Weniger Steuern statt mehr Zuschüsse

Statt Zuschüsse vom Staat zu zahlen wären für Frau Niejahr Steuerleichterungen das Mittel der Wahl. Selbst wenn der Effekt in Summe gleich Null wäre hätte dies immer noch den Vorteil das zumindest an der Bürokratie gespart wäre. So bräuchte es für die Verteilung, Beurteilung und Genehmigung von Zuschüssen einen erheblichen personellen Aufwand. Dieser wäre bei einer entsprechenden steuerlichen Begünstigung nicht gegeben.

Lösungsansatz 3: Weniger Gesetze

In der Tat scheinen sich die politischen Parteien durch das Erfinden von Beschäftigungsförderungsgesetzen mehr das eigene politische Profil schärfen zu wollen als sich thematisch mit der Problematik zu beschäftigen. Aber welchen Sinn können Gesetze haben wenn sie weniger dem Ziel dienen als politischen Kalkül und strategischen Überlegungen. Weniger könnte auch hier mehr sein. Gesetze müssen dem Anliegen dienen und nicht den Parteien.

Fazit

Der Artikel wirft insgesamt die Frage auf ob die getroffenen Maßnahmen die richtigen Mittel für das Problem sind. Hierüber gilt es intensiv nachzudenken. Die Autorin führt hilfreiche Ansätze an die es wert sind weiter verfolgt zu werden.

 

 

 

 

 

 

 


Zu guter Letzt

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