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Rainer Wermelt | Entdecke das Geheimnis!

Coesfelder Kunstskandal:

Diskriminierung durch die Coesfelder Volkshochschule

18. September 2019   |   von Rainer Wermelt


   

Die Bigotterie seitens der Stadt Coesfeld macht mich sprachlos!

An der Volkshochschule in Coesfeld ist ein Bild einer Kursteilnehmerin eines Malkurses von der üblichen Ausstellung im Flur angehängt worden. Es sei „zu vulgär“ und Deutschkursteilnehmende aus anderen Kulturkreisen könnten dadurch „erregt“ werden. So schreibt es die Allgemeine Zeitung Coesfeld in ihrer Print-Augabe vom letzten Samstag (14. September 2019) und ihrer Online-Ausgabe. [1]


Die Allgemeine Zeitung vom 14. September 2019 berichtet über die „Coesfelder Bilderzensur“ | Screenshot (bearbeitet)

Das ist skandalös. Sowohl die Entfernung des Bildes aus der Ausstellung, als auch die Begründung.

Freiheit der Kunst

Die Freiheit der Kunst ist nicht umsonst von den Müttern und Vätern ins Grundgesetz geschrieben worden. Insofern ist eine Entfernung des Bildes mit dem Argument „zu vulgär“ nicht zu akzeptieren. Wer entscheidet was vulgär ist? Dem anderen ist es vielleicht zu dunkel, zu hell, zu rot, zu schwarz, zu banal, zu wasweisichsonstnoch. Und vielleicht empfindet es jemand auch als „entartet“. Das hatten wir ja vor ein paar Jahrzenten schon einmal und gerade darum ist eine solche Klassifizierung der Bilder nicht nur problematisch sondern auch unzulässig. Dessen waren sich die Mütter und Väter des Grundgesetzes sehr bewusst.

Der menschliche Körper in der Kunst

Der menschliche Körper spielte seit jeher wine wichtige Rolle in der Kunst. Griechische und römische Statuen sind oftmals auch nur teilweise bekleidet und stehen so in der Öffentlichkeit, oftmals auch an exponierter Stelle. Auch in Coesfeld findet sich naktheit im öffentlichen Raum. Die Skulptur „Die Tänzerin“ des niederländischen Künstlers Jits Bakker aus der Partnerstadt De Bilt steht auch auf dem Marktplatz in Coesfeld und - ist gänzlich unbekleidet ohne das meines Wissens bisher daran irgend jemand Anstoß genommen hätte. Der Argumentation der Stadt Coesfeld folgend hätte die auch schon längst entfernt werden müssen. Ebenso müsste die Plastik von Jörg Heydermann vor dem St. Vinzenz-Krankenhaus verschwinden. Zeigt auch sie eine nackte Person. Der kruden Argumentationslogik nach müsste auch eine der vier Figuren an den Sedilien auf der Südseite des Chorraumes in der Lambertikirche entfernt werden. So ist die Heilige Maria dort mit einem nackten Jesuskind abgebildet. Nicht das das „eventuell, vielleicht unter Umständen“ einen Pädophilen „erregen“ könnte. Hier zeigt sich die ganze Absurdität der ganzen Argumentation der Stadtbediensteten der VHS in Coesfeld. Absurd erscheint mir auch in dem Zusammenhang auch, das 1960 für den Schulhof des damaligen Mädchengymnasiums eine Bronzeplastik der Bildhauerin Hilde Schürk-Frisch angeschafft wurde die ein nacktes Mädchen darstellt. Und das für einen Schulhof. 


Die - nackte - Tänzerin des niederländischen Künstlers Jits Bakker auf dem Marktplatz „erregte“ bisweilen niemanden. Das Bild einer - bekleideten - Burlesk-Tänzerin einer Coesfelder Kunstschülerin hingegen schon, nämlich die der VHS-Leitung. Diese Bigotterie ist nicht zu verstehen.

In der Coesfelder Bücherei, ebenfalls ein „offenes Haus“ in dem auch Menschen aus anderen Kulturkreisen verkehren, finden sich auch Bücher mit Kunstbezug. Wollen wir da jetzt auch etwa alle Bücher mit Renaissance-Kunstwerken die nackte Menschen zeigen entfernen vielleicht auf dem Marktplatz verbrennen da auch die Werke Rafaels, Tizians oder auch Rubens irgend jemanden „erregen“ könnte? Niemand käme wohl ensthaft auf die Idee. 

Es käme auch niemand auf die Idee die bronzene Sau auf dem Marktplatz einzuschmelzen die Jahr ein Jahr aus, Tag für Tag ihren „vulgären“ Anus, zwischen zwei prallen Arschbacken, jedem dahergelaufenen oder auch geneigten Kunst-Betrachter entgegenreckt. Sicher hat die „Konferenz der Elemente“ schon zu zahlreichen „erregten“ Kontroversen geführt, aber entfernt hat man sie obgleich ihrer schweinischen Obzönität bis heute nicht. Und das ist auch gut so. 

 Insofern stellt sich der Umgang der Volkshochschule Coesfeld mit dem menschlichen Körper für mich als weit hergeholt, konstruiert und absurd überzogen dar. Andere Volkshochschulen haben einen ganz anderen Umgang mit Abbildungen des menschlichen Körpers gefunden. In deren Programmheften finden sich oftmals auch Kurse zu Aktzeichen und Aktmalerei. [2] Und auch in anderen Volkshochschulen finden Deutschkurse statt die von Migranten oder Asylsuchenden Männern besucht werden.

Warum also hier bei einer Abbildung eines noch nicht einmal nackt abgebildeten Menschen zu solch drastischen und überzogenen Mitteln gegriffen wird als bei offen gezeigter Nacktehit von Skulpturen und Plastiken im öffentlichen Raum und Stadtbild kann ich absolut nicht nachvollziehen. Diese Bigotterie seitens der Stadt Coesfeld macht mich sprachlos!

Diskriminierung der Künstlerin

Laut AZ war die Künstlerin Teil eines Kunstkurses der VHS. Insofern halte ich es für schlicht nicht hinnehmbar, dass eine einzelne Teilnehmerin von der Ausstellung ausgeschlossen wird. Das ist diskriminierend. Wenn jedem anderen Künstler bzw Kursteilnehmer die Gelegenheit gegenben wird das Werk auszustellen, dann hat auch die betroffene Künstlerin das gleiche Recht ihr Werk zu zeigen, ohne wenn und aber. Alles andere würde meines Erachtens gegen den allgemeinen Gleichbehandlungsgrundsatz verstoßen. Das darf eine Komune einfach nicht. 

Inklusion geht anders! 

Es ist zwar immer geboten und höflich auf Andere Rücksicht zu nehmen. Das muss jedoch spätestens immer dann ein Ende haben, wenn man andere dadurch verletzt. 

Wenn jemand durch das Betrachten eines leicht bekleideten Menschen „erregt“ wird ist das das Problem dessen der das Bild betrachtet. Es ist weder das Problem den Bildes noch das der Künstlerin. Hier werden Ursache und Wirkung vertauscht.

Man betreibt keine Inklusion indem

man anderswo Exklusion betreibt.


Die Argumentation, dass Männer oder Angehöriger anderer Kulturkreise durch ein bloßes Bild einer bekleideten Frau „erregt“ werden könnten ist nicht nur falsch, es ist auch diskriminierend, rassistisch und sexistisch. So stellt es Männer im Allgemeinen oder die aus anderen Kulturkreisen im Besonderen als derart sexualisierte Wesen da, die sich durch das bloße betrachten eines Bildes nicht mehr beherrschen könnten. Eine solche Vorstellung ist sexistisch. Wenn man dieses vornehmlich einem anderen Kulturkreis zuschreibt ist es auch noch dazu rassistisch. Beides ist disriminierend und in keinem Falle hinnehmbar. Besonders brisant und skandalös ist es, wenn dieses noch durch eine Gleichstellungsbeauftragte passiert. Durch ihr Amt müsste sie es eigentlich besser wissen. 

Weitere Informationen

Quellen und Belege